Meilensteingespräche 2007: Beiträge | Colloqui alla pietra miliare 2007: contributi

Hanspeter Niederkofler

Wir versammeln uns heuer das 3. Mal in Folge am Römischen Meilenstein und warnen vor den Folgen der aktuellen Verkehrspolitik.

Manche mögen meinen, dass wir uns wiederholen, dass uns nichts Neues mehr einfällt. Allerdings hat sich in dieser Zeit auch nichts Wesentliches geändert. An kritisierten Vorhaben wird festgehalten und neue Vorhaben werden angekündigt.

Offensichtlich fällt auch den Verantwortlichen zu unseren Verkehrsproblemen immer noch nichts anderes ein, als mehr und schnellere Straßen, mehr Parkplätze zu bauen und ja keine Verkehrsbeschränkungen zuzulassen. So wird immer mehr von unseren knappen verfügbaren Flächen einem Verkehr geopfert, der mit seinem stetigen Anstieg schon lange nicht mehr zu unserem Wohlstand und unserer Lebensqualität beiträgt, sondern uns auf vielerlei Weise schädigt und krank macht: Durch Lärm und Abgase, durch die Verhässlichung und Entwertung unserer Ortschaften und unserer Landschaft, durch Bewegungsmangel und immer mehr sinnlose Fahrten, die uns davon abhalten, unsere Lebenszeit Wesentlicherem zu widmen.

Unser halbes Leben in Blechbüchsen zu verbringen, ist nicht Wohlstand.

Von der Bahn sind nun endlich positive Neuigkeiten zu vernehmen. Bahnhöfe werden saniert und modernisiert, neues Rollmaterial wird angeschafft, in absehbarer Zeit wird man sich im Pustertal im Halbstundentakt bewegen können. Es wird also das umgesetzt, wofür wir vor 15 Jahren noch eher mitleidig belächelt wurden. Man sieht endlich ein, dass ein funktionierender öffentlicher Verkehr von großer Bedeutung für eine Region ist.

Auf der anderen Seite setzt das Land aber eine Straßenbaupolitik fort, die stetig neuen Verkehr produziert und damit alle Bemühungen um Verkehrsverminderung und Verlagerung zunichte macht.

Anderseits: eine Landesregierung, die stolz darauf ist, mit der Mebo den Straßenverkehr zwischen Bozen und Meran in 10 Jahren verdoppelt zu haben und mit neuen Monsterprojekten wie dem Küchelbergtunnel alles dafür tut, den Verkehr noch weiter zu steigern, steht in krassem Widerspruch zur Landesregierung, die die Vinschger Bahn als großen Erfolg feiert und dem ganzen Land „Vinschger Verhältnisse“ verspricht. Man sollte sich überlegen, was man eigentlich will. Man hat aber offenbar bestens gelernt, mit den eigenen Widersprüchen zu leben.

Aber sehen wir uns die Situation im Pustertal an. Hier wird ja oft behauptet, dass mit der Straße nichts weiter geht, dass nur geredet wird, dass die Pustertaler Straße immer noch dieselbe ist wie vor 100 Jahren.
Die Realität ist eine andere. In den letzten Jahrzehnten sind ganze Abschnitte der Straße neu gebaut worden. Der Autobahnzubringer in Schabs mit 2 km, die Südumfahrung Bruneck mit 4 km, die Umfahrung Mühlbach mit 3,4 km, die Umfahrung Welsberg mit 3,2 km, die Umfahrung Niederdorf mit 3,5 km. Damit ist zwischen Franzensfeste und Winnebach schon fast ein Viertel der Straße neu gebaut worden, mit sehr großzügigen, transitfreundlichen Eigenschaften und gefahrenen Geschwindigkeiten, die weit über dem zulässigen Tempolimit liegen.

Diese Neubauten sind immer als „Umfahrungen“ verkauft worden. Aber die „Umfahrungen“ von Mühlbach, Bruneck, Welsberg und Niederdorf messen zusammen 14 km, während die Ortsdurchfahrten zusammen nur etwas mehr als 5 km messen. Es geht also nicht in erster Linie um die Entlastung der Siedlungsgebiete, sondern um die Beseitigung von Verkehrshindernissen und um den schrittweisen Ausbau der Pustertaler Straße zu einer Durchzugsstraße. Als Schnellstraße darf man sie ja nicht bezeichnen, aber eine schnelle Straße entsteht hier allemal.

Die so genannte Umfahrung von Vintl ist ein noch krasseres Beispiel. Das Problem sind hier die Ortsdurchfahrten von Nieder- und Obervintl. Beide messen jeweils ca. 600 m. Die „Lösung“ dafür sind 5 ½ km Rennstrecke entlang des Rienzufers, die den Charakter der Pustertaler Straße endgültig verändern und die bisher ruhige Südseite des Tals zerstören. Dafür ist auch eigens die Rienz verlegt worden, und das Ganze will man uns jetzt auch noch als ökologische Maßnahme verkaufen. Kurz gesagt: die sogenannte Umfahrung Vintl widerspricht allen Prinzipien, die wir seit 20 Jahren einfordern.

Und hier stehen mitten auf der zukünftigen Gadertaler Kreuzung. Die Luftballons sind nicht von einem Kinderfest übrig, sondern sie markieren den Verlauf der Brücke über die Rienz. In diesem Teil hier soll eine überdimensionale Kreuzung entstehen, mit kreuzunungsfreien Ein- und Ausfahrten in alle Richtungen. Wie es sich für eine Schnellstraße gehört. Die Probleme an den touristischen Verkehrsspitzen wird die Kreuzung aber auch nicht lösen können, Staus sind weiter vorprogrammiert und auf einem so schnellen Straßenstück einfahren ist weder einfach noch ungefährlich. 20 Millionen für eine Straßenkreuzung, die kein Problem löst und die diese wertvolle Landschaft schwer in Mitleidenschaft zieht. Weniger schlimm als das, was ursprünglich geplant war, eine Kreuzung direkt am Sonnenburger Hügel, die auch dank unseres Widerstandes zurückgezogen worden ist. Aber dieser Erfolg ist ein schwacher Trost. Auf mögliche Alternativen wie eine Anbindung über den Tobl ist nie ernsthaft eingagangen worden. Was nicht sein soll, soll eben nicht sein.

Und weitere Projekte sind angekündigt. Percha, Toblach, oder der Straßenabschnitt zwischen Innichen und der Staatsgrenze, wo wirklich absolut nicht einsehbar ist, wieso man dort überhaupt die Straße ausbauen sollte. Und alles ohne eine wirkliche Gesamtverkehrsplanung, die die realen Mobilitätsbedürfnisse bewertet und alle Verkehrsträger einbezieht. Fragt sich nur, wie lange können wir uns so eine Politik noch leisten, wieviele Löcher wollen wir noch graben, bis wir endlich einsehen, dass der Verkehr nicht einfach „da ist“, sondern dass der Verkehr gemacht wird. Und dass der Verkehr gesteuert werden muss, vor allem indem man nicht immer neue Anreize für die Verkehrsarten schafft, die die meisten Probleme verursachen.

Chiediamo quindi un vero e credibile cambiamento nella politica della mobilità:

Chiediamo una moratoria delle opere stradali. Nuovi interventi sono accettabili solo nell’ambito di una pianificazione complessiva, con l’obiettivo chiaro di una riduzione e di una decelerazione del traffico stradale. Queste richieste non sono nient’altro che le idee fondamentali contenute nel Piano provinciale dei trasporti.

Per la Pusteria chiediamo perciò una pausa di riflessione per il progetto di Vandoies e dell’incrocio verso la Val Badia fino a quando non saranno trovate delle soluzioni accettabili che non incrementino il traffico.

Priorità va assegnata a misure di protezione dal rumore e a progetti che liberano dal traffico le zone abitate, senza però favorire il traffico di attraversamento. Esempi sono l’uscita sud di Brunico e interventi mirati per i nuclei abitati che sono ancora attraversati dalla statale della Pusteria.

Va poi migliorata la cometitività della ferrovia della Pusteria attraverso la realizzazione del raccordo diretto verso sud alla ferrovia del Brennero („Riggertalschleife“).

Chiediamo un divieto di transito notturno per i mezzi pesanti sulla strada della Pusteria per evitare che questa arteria diventi una scorciatoia a basso costo per il traffico pesante, che danneggerebbe anche le vallate vicine come la Val d’Isarco, l’Osttirol e il Cadore.

E‘ necessaria inoltre una pianificazione territoriale sostenibile, che significa soprattutto stop allo spostamento della vendita al dettaglio e dei servizi nelle zone produttive e misure incisive di riduzione del traffico nel centri abitati.

Markus Lobis

Ich möchte die heurigen Meilensteingespräche zum Anlass nehmen, um ein bisschen Bilanz zu ziehen und gemeinsam mit Euch herauszufinden, ob wir als Vertreter der engagierten Zivilgesellschaft unseres Landes in den letzten Jahren irgendetwas erreicht haben oder ob wir unsere Zeit besser dazu verwenden sollten, nervenschonendere Hobbies zu pflegen.

Wir treffen uns in dieser großen und ständig größer werdenden Gruppe immer wieder. Wir bilden Netzwerke. Wir denken nach, machen uns Sorgen, protestieren gegen Großvorhaben, diskutieren über die Zukunft unserer Landes, kritisieren die Entscheidungen der politischen Mehrheit und bereiten in unzähligen Sitzungen und Stunden am Computer Informationen auf, schicken Mails und Post durch die halbe Welt und bemühen uns nach Kräften, Themen und Argumente, die wir für wichtig halten, an die Oberfläche der Gesellschaft zu transportieren.

Es ist eine – auf den ersten Blick – verhängnisvolle Spirale, in die sich der Mensch begibt, wenn er beginnt an der Oberfläche zu kratzen, wenn er sich nicht mit einfachen Antworten auf schwierige Fragen abspeisen lässt, wenn er nicht mehr zulassen will, dass unsere Welt von immer weniger und obszön reichen Profiteuren ausgebeutet wird und dass die Welt in den letzen Jahrzehnten nicht gerechter geworden ist.

Wenn ich etwas nicht weiß und deshalb nichts unternehme, so ist es Ignoranz und vielleicht Dummheit. Wenn ich aber zu begreifen beginne, was in meiner Gemeinde, in meinem Land in meiner Welt schief läuft und nichts dagegen unternehme, ist das Zynismus und Verantwortungslosigkeit. Es ist was dran am biblischen Bild des Baumes der Erkenntnis. Wer von seinen Früchten isst, verliert das Paradies der unreflektierten Zufriedenheit, stößt die Tür in eine neue Welt auf und muss Verantwortung übernehmen.

Wir haben damit begonnen, an der Oberfläche zu kratzen. Wir spüren und wissen, dass in unserem Land vieles in die falsche Richtung läuft. Was die Konzerne im Großen verbrechen, machen einige einflussreiche Lobbies und ihre Freunde aus der Politik in unserem Land im kleinen. Unter dem Deckmantel eines immer fragwürdiger gewordenen Fortschritts, der allzu oft mit der Entwicklung des eigenen Kontostandes verwechselt wird, betonieren wir unsere Landschaft zu und schreiben eine Wachstumslogik fort, die die Erde an den Rand des Kollaps gebracht hat.

Bei uns geht das leichter als anderswo. Weil wir zu wenig darüber diskutieren, was wir wollen und was uns gut tut. Weil es einige wenige gibt, denen wir es erlaubt haben, starke Machtstrukturen aufzubauen und die uns weismachen wollen, sie wüssten, was für uns das Beste ist, wir sollten sie nur arbeiten, nur verwalten lassen.

Dieser dumpfen Logik patriarchalisch geprägter Machtausübung müssen wir – in allen Bereichen – eine Forderung nach einer neuen Diskussions- und Streitkultur entgegensetzen, wir fordern mehr Platz für das Diskursive, wie es Hans Heiss in seinem Interview in der FF dieser Woche auf unnachahmliche Weise auf den Punkt gebracht hat. Überhaupt sehe ich in den Aussagen von Hans Heiss in der FF ein motivierendes Manifest eines neuen Selbstbewusstseins der Zivilgesellschaft und denke, dass wir dieses Manifest unserem täglichen Einsatz zu Grunde legen sollten.

Wir alle – alle! – zerstören die Ressourcen der Welt, holzen Regenwälder ab, damit wir unsere BMWs und Porsches 20 lt. Sprit aus Weizen auf 100 km verheizen können. Mit den pflanzlichen Rohstoffen für eine Tankfüllung sog. „Biosprits“ kann ein Mensch ein ganzes Jahr ernährt werden. Jede Woche sterben mehr Menschen an Hunger, als Südtirol Einwohner hat. Und wir geben Gas!

Und alles hängt miteinander zusammen. Wer im Pustertal eine Straße baut, setzt auf das Auto, auf die Macht der Konzerne und der Ölmafia, die nun zur Pflanzenölmafia wird. Er setzt auf einen brachialen und im wahrsten Sinne des Wortes mörderischen Kampf zwischen 800 Millionen und bald eine Milliarde reichen Autofahrern und fünf Milliarden Menschen, deren Ernährungsgrundlage für die „freie Fahrt für freie Bürger“ durch den Auspuff gejagt wird.

Naive Investoren in Schabs lassen sich von ein paar Geschäftemachern beschwatzen, dass ein Palmölkraftwerk ein Riesengeschäft ist. Auf die Umweltproblematiken angesprochen, sagt einer der Befürworter, er könne die dritte Welt eh nicht retten. Der Gipfel des Zynismus.

Und das sind nur ein paar kleine Beispiele aus dem alltäglichen Wahnsinn, der uns immer schneller auf einschneidende und selbstverursachte Krisen und Verwerfungen zusteuern lässt. Wenn wir nicht die Notbremse der Vernunft ziehen und ökologisch und sozial nachhaltige Lebensentwürfe entwickeln, die dieser unwürdigen Selbstzerfleischung der Menschheit entgegenwirken.

Und wir werden sehen: Profit, Geld und Besitzstreben haben nur sehr wenig mit Lebensqualität zu tun.

Und vor dieser Erkenntnis fürchten sich die Profiteure dieser Welt.

Damit habe ich die Frage, die ich eingangs gestellt habe, wohl auch schon beantwortet. Wir müssen unsere Arbeit hier im kleinen in einen größeren Zusammenhang stellen.

Wir können gar nicht anders, als mit wachem Auge weiterzuarbeiten, immer neue Mitbürgerinnen und Mitbürger anzusprechen, unsere Netzwerke zu stärken und versuchen, wo immer wir können, der Vernunft und der Menschlichkeit ein Stückchen weiter zu helfen!

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