Stellungnahme zum Wassernutzungsplan

Die Arbeitsgruppe Energie der PPP ist besorgt über die mögliche Entwicklung der Gewässernutzung in den nächsten 15 Jahren. Abgesehen davon, dass, wie bei vielen anderen gesellschaftspolitischen Entscheidungen, auch beim Wassernutzungsplan keine breite öffentliche Diskussion stattfindet, stellen verschiedene Aspekte des derzeitigen Entwurfes des WNP die gesetzten Ziele – Wasser in ausreichender Menge und Qualität in unseren Gewässern und für die Nachbarregionen – in Frage. 

Die Bedenken der Plattform sind im Besonderen:

  • Die Kriterien für die Errichtung von Wasserkraftwerken reichen bei weitem nicht aus, um dem Druck auf exzessive Ausbeutung der Ressourcen standzuhalten. Zu viele Ausnahmen ermöglichen jedes ökologisch bedenkliche und energiewirtschaftlich fragwürdige Projekt. Es ist höchst an der Zeit, einen „Wasserkraftplan“ zu entwerfen, in welchem energiewirtschaftlich sinnvolle und ökologisch vertretbare Projekte Eingang finden.
  • Gewässerabschnitte, welche ausgewiesene Naturdenkmäler darstellen, dürfen auf keinem Fall der Energiewirtschaft geopfert werden. Es ist nicht vertretbar, einen bestimmten Landschaftsbereich zu einem Naturdenkmal zu erklären um dann Wasser bis zum Restwasserminimum für die Stromerzeugung abzuleiten.
  • Der Wintertourismus erreicht eine Wertschöpfung wie kein anderer Wirtschaftszweig in Südtirol. Ein Minimum an Umweltverträglichkeit kann zumindest mit einer ausreichenden Speicherkapazität für das Wasser, welches für die technische Schneeerzeugung benötigt wird, erreicht werden. Aus diesem Grund müssen die vorgesehenen Maßnahmen (700 m³ Speicherkapazität / ha beschneiter Pis-te; 0,4 l/s/ ha Ableitungsbegrenzung) verpflichtend für alle neuen und zur Erneuerung anstehenden Konzessionen vorgeschrieben werden.

Die PPP betont des Weiteren, dass der neue Wassernutzungsplan in keiner Weise auf die sich ändernden klimatischen Bedingungen eingeht. Im Gegenteil: Durch die wärmeren und niederschlagsärmeren Winter werden immer mehr Projekte für Beschneiungsanlagen notwendig. Noch dazu sind die meisten Restwassermengen gar nicht oder nur sehr schwer kontrollierbar – so denn überhaupt Kontrollen stattfinden.

Die PPP kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass der Wassernutzungsplan lediglich den Anforderungen verschiedener Lobbys (Stromwirtschaft, Landwirtschaft, Wintertourismus, etc.) angepasst werden soll. Es fehlen grundlegende Konzepte für eine nachhaltige Nutzung der Gewässer. Trinkwasser, Bewässerung, Beschneiung und Stromwirtschaft müssen ganzheitlich einem Nutzungskonzept unterworfen werden und nicht getrennt nach Kategorien deren Nutzungsform bestimmt werden. Allen diesen Nutzungsformen steht die Gewässerökologie gegenüber, der mit dem vorgelegten Wassernutzungsplan in ungenügender Weise Rechnung getragen wird. Südtirol wirbt mit intakter Natur um seine Gäste und lebt davon. Der Tourismus hat die größte Wertschöpfung für unser Land. Wenn Südtirol seine landschaftliche Attraktivität bewahren will, muss es auch seine Wasserläufe schützen. Dieser Nutzungsplan reicht für dieses Ziel sicherlich nicht aus.

Bruneck, 25.09.2007

Für die Arbeitsgruppe Energie:
Hanspeter Niederkofler
Gerd Heiter

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