Pustertal: Mobilitätspolitik statt Illusionen aus Beton

Pressemitteilung

Der Bautenlandesrat spricht in seiner jüngsten Presseaussendung von „Halbzeit“ beim Ausbau der Pustertaler Straße, verbunden mit der Ankündigung, nicht etwa die Strategie überdenken, sondern am bisherigen Ausbauprogramm festhalten zu wollen.

Am ärgerlichsten ist dabei die ständig wiederholte Behauptung, der Straßenausbau diene dazu, Staus zu vermeiden. Verbreiterungen und Begradigungen führen nur zu höheren Geschwindigkeiten und damit nicht nur zu mehr Schadstoffen und Lärm, sondern auch zu mehr Verkehr und einem höheren Staurisiko. Die höchste Kapazität hat eine Straße bei mäßigen Geschwindigkeiten, wie sie etwa auf den noch nicht ausgebauten Abschnitten der Pustertaler Straße gefahren werden. Abgesehen davon gibt es ausgedehnte Staus nach wie vor nur an einzelnen Tagen in der touristischen Hochsaison und es wäre ein sinnloses Unterfangen, die Infrastruktur diesen absoluten Spitzentagen anpassen zu wollen.

Von besonderer „Rücksicht auf ein landschaftlich sensibles Gebiet“ kann keine Rede sein. In Vintl etwa sollen fünf Kilometer Flussufer verbaut werden, weil man sich auf eine zweite Straße durch die ruhige Südseite des Tals versteift hat, statt Nieder- und Obervintl durch zwei lokale Eingriffe zu entlasten. Allein die zusätzlich versiegelte Fläche beläuft sich dabei auf fast 5 ha.
Die geplante Gadertaler Einfahrt durch den Klosterwald verunstaltet zwar nachhaltig eine der wertvollsten Landschaften des Tales, die Probleme an den Spitzentagen kann sie aber keinesfalls lösen. An Tagen mit starkem Verkehr sind die Einfahrtsschleife im Tunnel, die steile Brücke und der lange Klosterwaldtunnel sogar besonders problematisch. Die 40 Millionen für dieses Bauwerk sind nicht zu rechtfertigen.

Die Riggertalschleife hingegen käme voraussichtlich auf ein gutes Zehntel der 130 Millionen zu stehen, die derzeit in die Pustertaler Straße gepumpt werden. Aber hier gibt es keine konkreten Zusagen für eine rasche Umsetzung, obwohl dieser Eingriff die Bahn für Fahrten nach Brixen und Bozen voll konkurrenzfähig macht und damit ermöglicht, dass die auf der Bahn geschaffenen Kapazitäten die Straße gerade in der morgendlichen und nachmittäglichen Stoßzeit wirksam entlasten. Bezüglich Riggertalschleife hat die Plattform Pro Pustertal für Dienstag, den 22. Februar alle lokalen Verantwortungsträger zu einer Besprechung der Situation eingeladen.

Wir fordern die Landesverwaltung auf, nicht länger Illusionen zu verkaufen und weiter Unsummen in ein Verkehrssystem zu investieren, das in dieser Form keine Zukunft hat. Was das Pustertal braucht, ist eine wirkliche Mobilitätspolitik statt eines reinen Bauprogramms, das die Probleme nur noch verschärft.

Bruneck, 20.02.2011
Für die Plattform Pro Pustertal
Dr. Christine Baumgartner, Sprecherin

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