Nochmals zur Klosterwaldvariante

Klosterwald-SonnenburgStellungnahme für „Do Puschtra“, 20.07.2014

Wir haben natürlich absolut Verständnis dafür, dass die Anrainer der Gadertaler Straße in Pflaurenz und im Westen St. Lorenzens eine Entlastung vom Verkehr wollen. Die sog. Klosterwaldvariante können wir aber nicht gutheißen, weil sowohl der finanzielle Aufwand als auch die landschaftlichen Auswirkungen in keinem Verhältnis zur Problematik stehen.

Die Gadertaler Straße weist im Vergleich zur Pustertaler Straße weniger als die Hälfte des Verkehrs auf, einen geringen Schwerverkehrsanteil, wenig Nachtverkehr und keinen Transitverkehr (siehe Daten unten). Für die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkung kann gesorgt werden, wenn der politische Wille vorhanden ist. Die Belastung stellt niemand in Abrede, aber es gibt im Land eine Reihe von Straßenabschnitten, auf denen wesentlich mehr Einwohner betroffen sind und die keine Aussicht auf Entlastung durch Umfahrungen oder ähnliches haben. Wenn angesichts knapper werdender Mittel nach Priorität vorgegangen werden soll und wenn die Kriterien die betroffene Bevölkerung, das Ausmaß der Belastung und die Kosten sind, so kann die Gadertaler Einfahrt nicht als vorrangiges Projekt angesehen werden. Tunnel, Brücke und zwei überzogene Kreuzungsbauwerke an diesem landschaftlich und historisch hoch sensiblen Ort bei Kosten von mindestens 40 Millionen Euro sind für uns nicht zu rechtfertigen.

Die aktuelle, großflächig ausgebaute Kreuzung an der Gadertaler Brücke ist in der Lage, den normalen Verkehr zu bewältigen, auch weil in dem Bereich niedrige Geschwindigkeiten gefahren werden. Der wirklich kritische Verkehr beschränkt sich auf einzelne Tage in der touristischen Hochsaison, und diesen Verkehr kann auch das vorgesehene Kreuzungsbauwerk nicht reibungslos bewältigen. Problematisch sind dabei außerdem die Zufahrt durch den Tunnel, die unterirdischen Einfahrtsschleifen und die Positionierung der Kreuzung mitten in einer Geraden, auf der der Verkehr mit hoher Geschwindigkeit abläuft.

Eine denkbare Alternative ist eine Variante im Bereich Tobl/Krafwerk Kniepass, die allerdings nie ernsthaft in Betracht gezogen wurde. Auch diese ist aufwändig, aber landschaftlich weniger problematisch und sie verläuft in Richtung des „kritischen“ Verkehrs zu den touristischen Stoßzeiten. Wenn auf Schnellstraßencharakter verzichtet wird, sollte hier eine vernünftige Trassierung möglich sein.

Insgesamt treten wir für eine Nachdenkpause ein. Die Gadertaler Straße ist großzügig ausgebaut und beschleunigt worden, die häufigen Schließungen wegen Steinschlags gehören der Vergangenheit an. Die Einfahrt in die Pustertaler Straße kann nicht mehr als vordringliches Problem gesehen werden.

Hanspeter Niederkofler
Vorstandsmitglied Plattform Pro Pustertal

Verkehrsdaten (Jahr 2013, ASTAT):

Zählstelle St. Lorenzen (zwischen Ausfahrt Bruneck West und Gadertaler Brücke):
Durchschnittlicher Tagesverkehr (DTV) 18.416 Fahrzeuge, Schwerverkehr 1.593 (9% des Gesamtverkehrs), Nachtverkehr (19h-7h) 2.445 (13%)

Zählstelle Montal:
DTV 7.277, Schwerverkehr 434 (6%), Nachtverkehr 819 (11%)

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One Response to Nochmals zur Klosterwaldvariante

  1. Walter Harpf sagt:

    als ex-Landeshauptmann Durnwalder von den effektiven Kosten von 80 Millionen erfuhr, sagte er nur: kommt nicht in Frage! Scheint aber für den Tunnelfan Außerdorfer kein Problem zu sein. Wo ein Wille und Interessen sind, ist auch ein Weg!

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